Polyole: Sorbit, Mannit und andere Zuckeralkohole
Verdauungsbeschwerden und Blähbauch nach Zuckeraustauschstoffen
Polyole sind eine Gruppe fermentierbarer Kohlenhydrate und gehören zu den FODMAPs. Sie werden auch als Zuckeralkohole bezeichnet und kommen sowohl natürlich in Lebensmitteln als auch als zugesetzte Süßungsmittel vor.
Aus dem Inhalt:
- Verdauungsbeschwerden und Blähbauch nach Zuckeraustauschstoffen
- Was sind Polyole?
- Warum können Polyole Beschwerden verursachen?
- Wo kommen Polyole vor?
- Polyole auf der Zutatenliste erkennen
- Polyole sind nicht dasselbe wie Fruktose
- Nicht die Verbotsliste, sondern die Menge zählt
- Individuelle Verträglichkeit herausfinden
- Häufige Fragen zur Polyolen
Was sind Polyole?
Polyole sind Kohlenhydratverbindungen mit süßlichem Geschmack. Trotz der Bezeichnung „Zuckeralkohole“ enthalten sie keinen Trinkalkohol. Sie werden heutzutage gerne als Zuckerersatz bei einer Diät oder auch in der Low Carb oder ketogenen Küche verwendet. Aber sie kommen auch ganz natürlich in Obst, Gemüse und Pilzen vor.
Zu den wichtigsten Polyolen gehören:
- Sorbit beziehungsweise Sorbitol
- Mannit beziehungsweise Mannitol
- Xylit beziehungsweise Xylitol – wird auch als Birkenzucker bezeichnet
- Maltit beziehungsweise Maltitol
- Isomalt
- Lactit beziehungsweise Lactitol
Erythrit gehört chemisch ebenfalls zu den Polyolen, wird jedoch größtenteils bereits im Dünndarm aufgenommen und verhält sich daher anders als beispielsweise Sorbit oder Mannit. Die persönliche Verträglichkeit kann trotzdem unterschiedlich sein.

Warum können Polyole Beschwerden verursachen?
Polyole werden im Dünndarm teilweise nur langsam oder unvollständig aufgenommen. Dadurch können sie:
- Wasser in den Darm ziehen
- im Dickdarm von Darmbakterien fermentiert werden
- die Gasbildung verstärken
- die Darmbewegung und Stuhlkonsistenz beeinflussen
Besonders Menschen mit Reizdarm können empfindlich auf diese Vorgänge reagieren. Polyole können jedoch auch bei Menschen ohne Reizdarm in größeren Mengen eine abführende Wirkung haben.
Mögliche Beschwerden welche bei Zuckeralkoholen auftreten können
- Blähungen
- sichtbarer Blähbauch
- Druck- und Völlegefühl
- Bauchschmerzen oder Krämpfe
- vermehrte Darmgeräusche
- weicher Stuhl
- Durchfall
- plötzlicher Stuhldrang
Diese Beschwerden sind nicht spezifisch für Polyole und erlauben für sich allein keine Diagnose.

Wo kommen Polyole vor?
Natürlich vorkommende Polyole
Sorbit und andere Polyole können unter anderem enthalten sein in:
- Äpfeln und Birnen
- Marillen, Pfirsichen, Nektarinen und Pflaumen
- Kirschen und bestimmten Beeren
- Trockenfrüchten
- bestimmten Gemüsearten
- Pilzen
- Avocado – abhängig von Sorte und Portion
Viele dieser Lebensmittel enthalten gleichzeitig weitere FODMAPs. Deshalb lässt sich aus einer Reaktion nicht immer sofort erkennen, ob Polyole, Fruktose oder die gesamte FODMAP-Menge ausschlaggebend waren.


Zugesetzte Polyole
Als Süßungsmittel finden sich Polyole häufig in:
- zuckerfreien Kaugummis
- zuckerfreien Bonbons
- „Light“- und „Zero“-Produkten
- Protein- und Energieriegeln
- zuckerreduzierten Süßwaren
- manchen Getränken
- Diätprodukten
- einzelnen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln
„Zuckerfrei“ bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Produkt bei empfindlicher Verdauung gut verträglich ist.
Exkurs – Zuckerersatzstoffe
Als Low Carb Zucker werden häufig Polyole wie Sorbit, Mannit oder Xylit aber auch natürliche Zuckerpflanzen wie Stevia, Mönchsfrucht und Süßholzwurzel eingesetzt. Stevia, Mönchszucker oder auch Süßholzwurzel sind Pflanzen, die von Natur aus süß schmecken. Sie enthalten jedoch keine Polyole als eigentliche Süßstoffe.
Süße Pflanzenstoffen
Im Stevia sind es die Steviolglycoside, im Mönchszucker sogenannten Mogroside und in der Süßholzwurzel ist es das Glycyrrhizin. All das sind keine Polyole sondern eben süß schmeckende Pflanzenstoffe. Sie gehören auch nicht zu den Kohlenhydraten. Was auch der Grund ist, warum diese mit 0 Kalorien angegeben werden. Zusätzlich zeigt sich ein positiver Effekt auf die Mundgesundheit.
Auch treten bei diesen Zuckeralternativen nur selten Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall auf. Sie werden meistens besser vertragen, auch von Menschen mit empfindlichem Darm. Natürlich muss du das erst austesten. Da diese eine sehr hohe Süßkraft aber wenig Volumen haben, werden sie oft mit anderen Zuckeralternativen, auch Polyolen wie Erythrit oder Xylit gemischt. Auch um einen Zuckerähnlichen Geschmack zu fördern und es Verarbeitungsfähig zu machen.

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Polyole auf der Zutatenliste erkennen
Das Hauptproblem mit Zuckeralkoholen besteht meistens aus den in der Lebensmittelindustrie zugesetzten Polyolen, weil hier die Menge oft sehr konzentriert ist. So findest du Sorbit heute in vielen Light- oder „Zuckerfreien“ Lebensmitteln und Fertigprodukten. Achte auf Bezeichnungen mit den Endungen „-it“ oder „-itol“ sowie auf die entsprechenden E-Nummern:
| Polyol | Mögliche Bezeichnung |
|---|---|
| Sorbit | Sorbitol, E 420 |
| Mannit | Mannitol, E 421 |
| Isomalt | E 953 |
| Maltit | Maltitol, E 965 |
| Lactit | Lactitol, E 966 |
| Xylit | Xylitol, Birkenzucker, E 967 |
Bei Lebensmitteln mit mehr als zehn Prozent zugesetzten Polyolen ist in der EU der Hinweis „Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“ vorgeschrieben.
Polyole sind nicht dasselbe wie Fruktose
Polyole und Fruktose gehören zwar beide zu den FODMAPs, sind aber unterschiedliche Kohlenhydrate.
- Bei einer Fruktosemalabsorption steht die Aufnahme freier Fruktose im Mittelpunkt.
- Bei einer Polyolempfindlichkeit können beispielsweise Sorbit oder Mannit Beschwerden auslösen.
- Manche Lebensmittel enthalten sowohl Fruktose als auch Polyole.
Gerade bei Äpfeln, Birnen, Steinobst, Trockenfrüchten oder größeren Obstmengen können sich verschiedene Faktoren überschneiden. Daher vermutet man vielleicht zu unrecht, dass es sich um eine Fruktose-Malabsorbtion oder Fruktoseintoleranz handelt. Auch zeigt die Praxis, dass Menschen mit einer Fruktoseintoleranz auch häufig auf Sorbit mit Beschwerden reagieren.
Mehr über freie Fruktose und ihre Verträglichkeit erfährst Du auf der Seite „Fruktosemalabsorption und Fruktoseintoleranz“.
Nicht die Verbotsliste, sondern die Menge zählt
Die Verträglichkeit von Polyolen ist häufig mengenabhängig. Eine kleine Portion kann gut verträglich sein, während eine größere Menge oder die Kombination mehrerer FODMAP-Quellen Beschwerden verursacht.
Hilfreich können sein:
- Portionsgrößen beobachten.
- Zuckerfreie Süßwaren und Kaugummis kontrollieren.
- Zutatenlisten auf Polyole prüfen.
- Nicht mehrere polyolreiche Lebensmittel gleichzeitig testen.
- Beschwerden und Mengen in einem Ernährungsprotokoll festhalten.
- Nach einer zeitlich begrenzten Reduktion einzelne Polyolgruppen gezielt wieder testen.
Eine FODMAP-arme Ernährung sollte nicht unnötig streng oder dauerhaft durchgeführt werden. Ziel ist, die persönliche Toleranz zu erkennen und die Ernährung anschließend wieder möglichst vielfältig zu gestalten.
Weitere Informationen zur Gesamtmenge einer Mahlzeit findest Du auf der FODMAP-Hauptseite im Abschnitt „FODMAP-Stacking“.
Zuckeralkohole und Reizdarm
Besonders bei einem bereits empfindlichen Darm können Polyole Blähungen, Bauchschmerzen oder Veränderungen des Stuhlgangs verstärken.

Individuelle Verträglichkeit herausfinden
Wenn Du vermutest, auf Sorbit, Mannit oder andere Polyole zu reagieren, kann eine strukturierte Ernährungsbeobachtung helfen. Dabei betrachten wir nicht nur ein einzelnes Lebensmittel, sondern auch Portionsgrößen, FODMAP-Kombinationen, Verdauung, Stress und Deine persönliche Ernährungssituation. Eine kinesiologische Austestung der einzelnen Lebensmittel und Zuckeralkohole wie Xylit oder auch Erythrit, kann ebenfalls helfen, mehr Klarheit zu bekommen.
Ziel ist keine dauerhafte Verbotsliste, sondern eine Ernährung, die möglichst vielfältig, alltagstauglich und für Dich bekömmlich bleibt.
Rechtlicher Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Verdauungsbeschwerden können unterschiedliche Ursachen haben und sollten bei neuem, starkem oder anhaltendem Auftreten medizinisch abgeklärt werden. Ernährungsberatung kann die ärztliche Betreuung ergänzen, aber nicht ersetzen.
Häufige Fragen zur Polyolen
Rechtlicher Hinweis
Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die integrative Ernährungsberatung und die Einordnung nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin stellen keine medizinische Diagnostik dar. Bei anhaltenden, starken oder unklaren Beschwerden sowie bei Verdacht auf Zöliakie, Weizenallergie oder eine andere Erkrankung ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.
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